Zwei Christophs, ein Ziel: Der SSV auf Kurs

Nach zwei erfolgreichen Jahren übergibt Christoph Scheiderbauer den Obmanns-Posten beim SSV Dornbirn Schoren an Christoph Antretter. Im gemeinsamen Interview erzählen beide von den Herausforderungen nach dem Abstieg, den schönsten Momenten der letzten Saison und den Plänen für die Zukunft. Eines wird dabei klar: Kontinuität, Zusammenhalt und die Förderung des eigenen Nachwuchses sind nach wie vor das Herzstück des Vereins.

Wir starten mit Christoph Scheiderbauer, der den SSV 2023 ein zweites Mal als Obmann übernommen hatte:

Du hast den SSV in einer schwierigen Phase vor zwei Jahren erneut als Obmann übernommen und wieder in ruhiges Fahrwasser geführt. Wenn du auf die letzten beiden Jahre zurückblickst, was waren die schwierigsten Momente?
Die schwierigsten Momente waren die Unsicherheiten sofort nach dem Abstieg. Keiner wusste, wie es weitergehen soll. Finanziell traten große Lücken auf, die Mannschaft war hin und her gerissen zwischen dem Kampf zum Wiederaufstieg und einem möglichen Vereinswechsel, um in der 1 Liga weiterspielen zu können. Schließlich haben wir uns als „Zämma-Schaffa-Gruppe“ gefunden und uns mit der Mannschaft auf das Ziel, den Verein zusammenzuhalten und wieder aufzusteigen, eingeschworen.

Dem Verein ist nach dem Abstieg in die zweite Liga der sofortige Wiederaufstieg gelungen und in der vergangenen Saison ein guter Platz im Mittelfeld. War das für dich und dein Team die schönste „Belohnung“ für die doch intensive Arbeit?
Der schönste Moment war das letzte Spiel zu Hause mit dem fixierten Aufstieg. Die Mädchen, die Helfer, wir alle lagen uns in den Armen, viele Tränen der Freude sind geflossen. Die Glücksgefühle beim Sieg der Challenge und beim Wiederaufstieg waren unfassbar wunderschön.

Der SSV feierte ja kürzlich sein 40-Jahr-Jubiläum. Was zeichnet den Verein, deiner Meinung, aus – damals wie auch heute?
Das Besondere ist der familiäre Charakter, der Zusammenhalt, der sich von den Jugendmannschaften bis nach „oben“ über die Jahre, Jahr für Jahr, entwickelt und Freundschaften fürs Leben ergeben haben. Wir sehen Spielerinnen, deren Mütter schon bei Erwin gespielt haben und jetzt im Verein als Eltern mithelfen. Das SSV-Rad dreht sich weiter.

Nun hast du den Obmannsessel wieder abgegeben und dich in die zweite Reihe des Vereines begeben. Was waren die ausschlaggebenden Gründe dafür?
Im Frühjahr hab ich die Jugendtrainer-Ausbildung mitgemacht und gemerkt, es ist Zeit. Und ich hatte Riesenglück. Christoph Antretter ist die ideale Besetzung, er hat mein volles Vertrauen.

Du wirst dem Verein aber weiterhin erhalten bleiben – in welcher Funktion dürfen wir dich weiterhin dabeihaben?
Diese Saison bin ich als Springer für Trainer im Jugendbereich eingeteilt, zum Aushelfen, wenn Not an der Frau oder am Mann ist. Ich freu mich auf meine neue Aufgabe, bin voller Respekt vor der Leistung, die unsere Trainer erbringen. Ich werde mich bemühen…

Die aktuelle Saison ist mittlerweile bereits wieder in vollem Gange – was sind deine bisherigen Eindrücke und was denkst du ist möglich in dieser Saison?
Die Hallensituation, nur Auswärtsspiele in den ersten beiden Monaten, ist eine wahnsinnige Belastung und Herausforderung für unser junges Team. Ich glaub an die Mannschaften der WHA und der U 18 und steh voll hinter den Trainern.

Über den Sommer wurde die „ehrwürdige“ Messehalle 2 umfangreich saniert. Welche Arbeiten braucht es hier aber noch, damit man auch in der Infrastruktur bundesligatauglich ist?
Der SSV hat als größtes Problem nur eine Messehalle, die uns nur zeitweise zur Verfügung steht. Und wir bekommen bisher keine weiter Halle für unser Training zugeteilt, obwohl wir uns selber einen Hallenboden gekauft haben. Es ist zum Verzweifeln. Für die 1. Liga trainieren wir und spielen wir mit einer Halle, die mehr als in die Jahre gekommen ist.

Nach sieben Spielen in der Fremde wartet nun endlich das erste Heimspiel der Saison. Wie groß ist die Vorfreude und was darf man sich erwarten – immerhin ist der Gegner Rekordmeister Hypo Niederösterreich?
Endlich zu Hause! Wir freuen uns auf jedes Heimspiel, auf die Mädchen, auf die Eltern, auf die Jugend, auf unsere Fans. Unsere Mädchen werden alles geben und Hypo mindestens ärgern. Ich bin schon gespannt.

Und nun zum neuen Obmann Christoph Antretter und seinem Rückblick und dem Blick nach vorne:

Nach einer schwierigen sportlichen und wirtschaftlichen Zeit ist der SSV Dornbirn wieder auf dem richtigen Weg. Wie hast du die vergangenen Jahre beim Schulsportverein erlebt?
Ich habe als Dornbirner mit einer kleinen Handball-Vergangenheit beim TS Dornbirn den SSV immer am Rande mitverfolgt, aber so richtig erst seit 2023, als unsere Tochter zum SSV gewechselt ist. Und wie es so ist, wechseln mit den Kindern dann auch die Eltern den Verein. Wir haben uns von Beginn weg willkommen und gut aufgenommen gefühlt, und so wächst man Schritt für Schritt hinein. Was mir von Beginn weg sehr stark imponiert hat, ist die große Gruppe an aktiv mitarbeitenden Freiwilligen, die alle trotz des damaligen Abstiegs an einem Strang gezogen haben und gemeinsam gearbeitet haben, mit hohem persönlichem Einsatz…

Und mir hat von Beginn weg der damals eingeschlagene Weg gut gefallen – mit einem klaren Bekenntnis und Fokus auf die eigene Jugend, der eigene Nachwuchs als Grundlage für den Spitzensport. Dass das ganze eng zusammenwachsen muss, es gibt keinen Spitzensport ohne Breitensport im Nachwuchs, und wir brauchen den Spitzensport als Vorbild und Perspektive für den Nachwuchs.

Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung hast du dich bereit erklärt, den Posten des Obmanns beim SSV zu übernehmen. Was war deine Motivation dafür?
Ich habe mich, wie gesagt, von Beginn weg willkommen und akzeptiert gefühlt, und bin durch diverse Aufgaben näher herangerückt. So habe ich Christoph besser kennengelernt, den ganzen Vorstand, die Art und Weise wie gearbeitet wird. Und ich übernehme gerne Verantwortung, gleichzeitig hat aber auch Christoph signalisiert, dass er im Hintergrund nach wie vor unterstützend dabei sein wird. So bin ich irgendwie hineingerutscht, mit einem positiven Gefühl.

Das Team hat ja in den vergangenen beiden Jahren gute Arbeit geleistet, wo siehst du nun die Hauptaufgaben von dir und dem Vorstand?
Die große Aufgabe wird sein, den eingeschlagenen Kurs konsequent beizubehalten und weiterzugehen. Das Ganze dreht sich nicht um mich oder andere Einzelpersonen, sondern um den gemeinsamen SSV-Weg. Wir wollen den Nachwuchs weiter verbreitern, das ist eine große Herausforderung in Sachen mehr Trainer und damit mehr Finanzen für Trainer, mehr Hallenzeiten, idealerweise eine zweite Halle. Und damit ist das finanzielle Grundgerüst klarerweise eine Hauptaufgabe. Weil wir – so ehrlich müssen wir sein – ein Ausbildungsverein sind und bleiben werden. Man muss sich nur den Sommer 2025 heuer anschauen, beim letzten WHA Heimspiel haben wir acht oder neun Spielerinnen verabschiedet, teilweise wegen des Studiums, teilweise in die Karenz, teilweise wegen Wechseln zu höheren, „besseren“ Vereinen. Das heißt auch, dass wir jedes Jahr nachliefern müssen. Und da müssen wir schon bei den Minis beginnen.

Der SSV hat ja eine lange Geschichte, was sind aber die großen Ziele für die kommenden Jahre?
Ich will ganz offen sein, ich habe keine Vision vom SSV als zukünftigem Meister der WHA. Ich habe keine Vision vom SSV als der Nummer 1 in Österreich, gespickt mit internationalen bekannten Namen. Das wären nur Träume, Utopien. Das Ziel ist es, den SSV weiter so aufzustellen, dass wir jedes Jahr in der WHA mitspielen, dass wir jedes Jahr so attraktive Spielerinnen haben, dass sich andere Vereine darum reißen. Und dass wir jedes Jahr im weiblichen Nachwuchs die Spitze in Vorarlberg darstellen und in Österreich positiv gesehen werden und immer wieder in der Spitze dabei sind. Wir wollen der Verein sein, zu dem die talentierten Nachwuchs-Spielerinnen in Vorarlberg hinwollen, weil wir viel bieten und uns intensiv um die Talente kümmern, und weil der SSV einfach der richtige nächste Schritt ist. Das bedeutet mehr als genug Arbeit. Und mir wäre persönlich wichtig, dass wir dabei den SSV-Spirit, das persönliche Engagement und die gegenseitige Unterstützung, den Zusammenhalt, die Leichtigkeit nicht verlieren. Denn das ist das, was mir von der ersten Minute weg beim SSV so gefallen hat.

Die aktuelle Saison ist mittlerweile bereits wieder in vollem Gange – was sind deine bisherigen Eindrücke und was denkst du ist möglich in dieser Saison?
Wir haben eine extrem junge Mannschaft, mit extrem vielen Wechseln zur neuen Saison. Und dann noch die ersten sieben Spiele alle auswärts. Das war allen klar, dass das nicht einfach wird. Hätten wir gerne mehr Punkte – logisch. Aber wir sind noch im Plan…

Sportlich steht der SSV ja als Ausbildungsverein da – ist dies der Weg den der Verein weitergehen will?
Ja, ganz klar ja. Einerseits weil es die Situation nicht anders zu lässt. Wir haben in Vorarlberg keine vollwertige Uni, und wir haben viele Spielerinnen, die nach ihrer Matura diesen Weg einschlagen wollen und daher hinaus in die weite Welt gehen (naja, zumindest bis nach Wien oder Innsbruck). Und andererseits ist mir das aber auch wichtig als Signal für unsere eigenen Mädchen im Nachwuchs. Wir setzen auf den eigenen Nachwuchs, und nicht auf eine Legionärstruppe. Der eigene Nachwuchs soll die Möglichkeit bekommen, für die eigene Entwicklung auch die nächsten Schritte zu gehen, viel Spielzeit zu bekommen und Verantwortung zu übernehmen. Das ist zwar auch für uns als Helfer, als Unterstützer nicht einfach, weil man gefühlt immer wieder fast neu startet… Aber es ist umso befriedigender, wenn man sieht, wie sich junge Spielerinnen entwickeln und in ihre Spitzensport-Rollen hineinwachsen.

Wie ist die wirtschaftliche Lage – nach den Kürzungen der Förderungen und der aktuellen Lage der regionalen Wirtschaft?
Christoph und sein Team haben ganze Arbeit geleistet, da hat es viele Helfer und Unterstützer gebraucht und großen Einsatz, um die Altlasten abzubauen. Der Verein steht jetzt wieder solide da, und wir sind nicht abhängig von einem großen Gönner oder einem großen Sponsor. Aber die Herausforderung ist deswegen nicht kleiner – die Gürtel werden überall enger geschnallt, und damit müssen wir umso härter arbeiten.

Nach sieben Spielen in der Fremde wartet nun endlich das erste Heimspiel der Saison. Wie groß ist die Vorfreude und was darf man sich erwarten – immerhin ist der Gegner Rekordmeister Hypo Niederösterreich?
Ich glaube wir sind uns im Verein alle einig – wenn wir es uns selbst aussuchen hätten können, hätten wir uns einen anderen Gegner für das erste Heimspiel gewünscht. Aber jedes Spiel ist erst nach 60 Minuten zu Ende, und das erste Heimspiel ist so oder so für diese junge Mannschaft was ganz Besonderes. Wir sind einfach froh, wieder in der Messehalle spielen und trainieren zu dürfen, wir haben unsere Heimat wieder. Die Verantwortlichen in der Stadt Dornbirn und insbesondere in der Sportabteilung haben ihr Bestes gegeben, um uns Ausweichquartiere zu ermöglichen, aber es ist einfach was anderes, wieder zuhause zu sein. Das ist also ein großer Dank an die Stadt für die Unterstützung, gleichzeitig aber auch die Bitte, uns weiter zu unterstützen. Wenn wir wachsen wollen, brauchen wir das!

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